Veranstaltungen
Med. Informationen
Leitbild
Qualitätsmanagement
Kooperationen
Links

Med. Informationen

Die Nieren

Die beiden Nieren sind etwa 10 bis 12 cm groß und liegen neben der Wirbelsäule hinter dem Bauchfell. Als Ausscheidungsorgane filtern sie Giftstoffe, Salze und überschüssige Flüssigkeit aus dem Blut. Durch die Nieren fließen in einer Minute 20% des gesamten Blutes. Jeden Tag wird eine Primärharnmenge von etwa 150 Litern produziert. In der Niere laufen komplexe Konzentrationsprozesse ab, so dass als Endharn schließlich 1,5 Liter ausgeschieden werden. Die harnpflichtigen Substanzen Kreatinin, Harnstoff und Harnsäure können im Blut gemessen werden und spiegeln die Nierenfunktion wieder.
Bei verschiedenen Nierenerkrankungen kann es zu Funktionsstörungen kommen:
Anstieg der harnpflichtigen Substanzen im Blut durch eingeschränkte Filterfunktion
Ansammlung von Wasser (Ödeme) im Körper durch verminderte Flüssigkeitsausscheidung
Eiweißverluste über die Nieren, gegebenenfalls mit Eiweißmangel des Körpers
Hormonelle Veränderungen mit Auftreten eines Bluthochdrucks (Hypertonie), Blutarmut   (Anämie), Vitamin D-Mangel mit Knochenveränderungen
Übersäuerung des Blutes (Azidose) durch verminderte Bildung der Puffersubstanz
  Bicarbonat und reduzierte Ausscheidung der Säuren in der Niere

Nierenerkrankungen

Es gibt zahlreiche Erkrankungen, welche die Nieren mit einbeziehen. Hierzu zählen besonders die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und der Bluthochdruck (Hypertonie), der nicht nur Folge, sondern auch Ursache einer Nierenerkrankung sein kann. Rheumatische Erkrankungen führen in manchen Fällen ebenfalls zur Nierenbeteiligung.
Entzündungen der Nierenfilterkörperchen werden in der Fachsprache Glomerulonephritis genannt. Hierbei spielen oft körpereigene Abwehrprozesse eine Rolle. Die Ursache ist in vielen Fällen unbekannt, manchmal sind es andere Krankheiten. Werden letztere diagnostiziert, ist durch eine Behandlung der Grunderkrankung auch eine Heilung der Nierenerkrankung möglich.
Zur Diagnostik und differenzierten Behandlung ist neben Urin- und Blutuntersuchungen manchmal eine Nierengewebeprobe (Biopsie) erforderlich. Hierzu wird unter Ultraschallkontrolle (Sonographie) nach vorheriger lokaler Betäubung eine kleine Gewebeprobe entnommen, die dann mikroskopisch untersucht wird.
Harnwegsinfekte, oft im Rahmen einer Nierenbeckenentzündung, können die Nierenkanälchen entzünden (interstitielle Nephritis) und die Nieren somit schädigen. Andere Ursachen interstitieller Nephritiden sind verschiedene Medikamente und Giftstoffe. Nach Absetzen dieser Substanzen kann sich die Entzündung zurückbilden.

Dialyse

Wenn die Nieren nicht mehr ausreichend funktionieren, ist ab einem gewissen Grad der Funktionseinschränkung eine künstliche Reinigung des Blutes von Giftstoffen und überschüssiger Flüssigkeit erforderlich. Hierzu stehen verschiedene Nierenersatzverfahren zur Verfügung:

Hämodialyse
Das Blut wird über Schläuche zu einem Filter geleitet, durch den die Giftstoffe über eine Membran entfernt werden. Die Behandlung wird in der Regel 3 mal pro Woche über jeweils 4 bis 5 Stunden durchgeführt. Zur Bereitstellung eines ausreichend großen Blutflusses ist ein größeres Blutgefäß notwendig. Dieses wird durch eine operativ angelegte Kurzschlussverbindung (Shunt) zwischen einer Vene und Arterie am Arm erreicht.

Peritonealdialyse
Bei der Bauchfelldialyse wird das Bauchfell als Membran zum Stoffaustausch genutzt. Über einen operativ gelegten Kunststoffkatheter am Bauch werden ungefähr 2 Liter Flüssigkeit (Dialysat) in die Bauchhöhle geleitet. Nach einiger Zeit wird diese wieder entfernt, nachdem zuvor die Giftstoffe aus den kleinen Gefäßen (Kapillaren) des Bauchfells in das Dialysat übertreten (diffundieren) konnten. Dieses Verfahren kann selbstständig vom Patienten zu Hause durchgeführt werden. Bei 4 mal täglichem Wechsel spricht man von kontinuierlich ambulanter Peritonealdialyse (CAPD), bei nächtlichem Wechsel während des Schlafens mit einem Automaten (Cycler) von automatischer Peritonealdialyse (APD) oder nächtlicher intermittierender Peritonealdialyse (NIPD). Die Kombination von CAPD und NIPD wird kontinuierlich zyklische Peritonealdialyse (CCPD) genannt.

Lipidapherese

Fettstoffwechselstörungen können trotz strikter Diät und maximaler medikamentöser Therapie in manchen Fällen so stark ausgeprägt sein, dass frühzeitige Blutgefäßschädigungen mit Herzinfarkt oder Schlaganfall drohen. Durch Entfernung der Blutfette über einen Filter im Rahmen einer einmal wöchentlichen Behandlung über circa 2 Stunden lässt sich das Risiko von Gefäßschäden drastisch vermindern. Hierzu wird über zwei Körpervenen oder in einigen Fällen über einen Shunt das Blut zum Filter geleitet.

Transplantation

Die Transplantation einer Niere ist für viele Nierenkranke eine Alternative zur Dialyse. Beim Diabetiker Typ 1 wird oft eine kombinierte Nieren- und Bauchspeicheldrüsentransplantation durchgeführt. Hierdurch lässt sich die Lebensqualität deutlich steigern mit verbesserter beruflicher und sozialer Rehabilitation. Voraussetzung ist ein ausreichend guter Gesundheitszustand, da der Körper nach der Transplantation abwehrschwächenden Medikamenten ausgesetzt ist, die eine Abstoßung des fremden Organs verhindern sollen.

Hypertonie

20-25% der Bevölkerung leiden an erhöhtem Blutdruck (Hypertonie). Man spricht hiervon bei einem gemessenen Blutdruck ab 140 / 90 mmHg. Der erste Wert bezeichnet den systolischen, der zweite den diastolischen Druck. Die Ursache ist bei 90% der Hypertoniepatienten unbekannt, wahrscheinlich genetisch bedingt und durch Umweltfaktoren verstärkt. Bei den anderen 10 % sind die Ursachen vielfältig. Hormonelle Störungen, Nieren- und Gefäßerkrankungen zählen hierzu. Nierenerkrankungen sind in dieser Gruppe wiederum die häufigste Ursache. Durch entsprechende weiterführende Untersuchungen sollten Erkrankungen des Nierengewebes ausgeschlossen werden. Aber auch Verengungen der Nierenschlagadern (angeboren oder erworben) können einen oft schweren Bluthochdruck auslösen. Durch eine Ballon-Katheter-Aufdehnung oder seltener einen operativ angelegten Bypass läßt sich gegebenenfalls eine deutliche Besserung des Bluthochdrucks erreichen. In den übrigen Fällen ist eine medikamentöse Therapie unumgänglich, um Folgeschäden wie Herzversagen und Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nierenversagen zu vermeiden.

Literatur

Nachfolgend eine Empfehlungsliste von Patientenratgebern und weiterführender medizinischer Literatur:
Wie neu geboren ? Lebenschance Organtransplantation von Harald Rass 1997, Georg
  Thieme Verlag, Stuttgart
... und dennoch lebe ich. Meine Jahre mit der Dialyse von Alfred Börgerding 1998, Papst   Science Publishers, Lengerich
Der Dialyse-Ratgeber von Prof. Dr. Heide Sperschneider 2000, Georg Thieme Verlag,
  Stuttgart
Leben mit der Dialyse ? Ratgeber für Patienten und Angehörige von U. Welling und F.
  Schulte 2002, Papst Science Publishers, Lengerich
Diabetes und Niere: diabetische Nephropathie von Christoph Hasslacher 2001,
  Kirchheim-Verlag, Mainz
Diabetes und Dialyse: der sichere Weg zur richtigen Ernährung von Barbara Börsteken
  2000, Georg Thieme Verlag, Stuttgart
Alles ist erlaubt: Ernährungshandbuch für Dialysepatienten von H.-H. und S. Echterhoff
  1999, Nephron-Verlag, Bielefeld
Alles ist erlaubt: Ernährungsatlas für Dialysepatienten von H.-H. und S. Echterhoff 2000,
  Nephron-Verlag, Bielefeld

nach oben